Das Studium

Man muß sich der Idee erlebend gegenüberstellen können,
sonst gerät man unter Ihre Knechtschaft.

R.Steiner "Philosophie der Freiheit"

Wie findet das Studium statt?

Die gesamte initiatorische Schulung verfolgt das Ideal eines Kreises von Menschen, der sich für 3 Jahre in dem Willen vereint, geistige Inhalte zu studieren und das Ringen um ein tieferes Verständnis spiritueller Inhalte in die Mitte seines Strebens zu stellen.

Basis der gesamten Arbeit ist das Selbststudium, dem Sie pro Tag etwa 30 Minuten, zusammen mit der Übungspraxis (Seelenübungen, Meditation oder Yogaübungen) bis zu 1 oder 1 1/2 Stunden einräumen können. Wer die zeitlichen Möglichkeiten dazu hat und sich sehr intensiv auseinandersetzen möchte kann mehr tun, wer weniger Zeit aufbringt, kann sein Studium sehr konzentriert und kompakt halten. Wir möchten dazu bewusst keine verbindliche Regel aufstellen. Das Selbststudium erfolgt nach bestimmten Aufgaben- und Fragestellungen, ähnlich einem Fernkurs. Unsere Schulung lebt vom lebendigen Engagement Ihrer Teilnehmer. Je intensiver das Studium zwischen den einzelnen Seminarterminen stattfindet, desto konzentrierter wird die Arbeit vonstatten gehen.

Die Arbeitsweise in den Seminaren und sonstigen Zusammenkünften wird so gewählt, dass jeder Teilnehmer sich üben kann, eigenständige Beiträge in mündlicher oder schriftlicher Form zu geben. Diese dienen der eigenen Orientierung und Standpunktfindung auf dem Weg und ermöglichen die eigenständige Formung der Seelenkräfte. Ein nur passives Teilnehmen und Aufnehmen der Inhalte führt, wie die Erfahrung bisher gezeigt hat, mit der Zeit zu Schwierigkeiten in der Standpunktfindung und manchmal auch zu einer unangenehmen Identifikation mit den geistigen Wahrheiten und einem daraus resultierenden Wahrheitsanspruch.

So kennt man in den geistigen Schulungen des Buddhismus zum Beispiel die Praxis, das zwei Schüler sich einen spirituellen Vortrag den sie eben gehört haben gegenseitig erzählen. So lernen sie, das Gehörte ganz objektiv wiederzugeben und eigene Beimischungen zum Gehörten zu vermeiden. Solche und weitere Übungen werden uns während der Schulung begleiten.

Sinnvoll und wünschenswert wäre es für die Zeit der Schulung, dass sich Teilnehmer nach Wunsch auch lokal treffen und in Austausch treten. Bei genügend Interesse können evtl. auch die Möglichkeiten des Internet zur regelmäßigen Zusammenarbeit genutzt werden.

Ein erster Lehrinhalt ist zum Beispiel die für eine geistige Schulung notwendige Fähigkeit, sich den gegebenen Inhalten anschauend und aktiv rezipierend gegenüber zu stellen. Dies könnte auch als “Anschauungsfreiheit” bezeichnet werden. Es ist im Umgang mit esoterischem Lehrgut sehr wichtig, daß wir die Fähigkeit erlangen, die Hauptgedanken eines esoterischen Vortrages oder einer inspirativen Schrift ohne eigene Interpretationen oder Beifügungen in eine zusammenhängende Anschauung zu heben. Ohne Schulung dieser Fähigkeit neigt der Teilnehmer erfahrungsgemäß dazu, das eigene vorhandene Weltbild oder bestimmte emotionale Vorlieben in die Texte und Aussagen hineinzuinterpretieren oder “hineinzulesen” und erhält damit ein Zerrbild der wahren Aussagen.

Durch geeignete Übungen kann der Teilnehmer auf diese Schwierigkeit seines eigenen projizierenden Bewusstseins aufmerksam werden und sie durch Achtsamkeit und Wachheit zu vermeiden.

Literaturhinweis:

Eine sehr schöne Hinführung zum Studium spiritueller Texte findet sich in:
Heinz Zimmermann/Robin Schmidt "Anthroposophie studieren"

 

Yoga und Initiation
© 2008 Bernhard Spirkl